Drei Jahre GNDEW: Zwischenbilanz zum Smart-Meter-Rollout in Deutschland
Im Mai 2023 trat das Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende (GNDEW) in Kraft. Es sollte den Smart-Meter-Rollout beschleunigen, entbürokratisieren und rechtssicher machen. Drei Jahre später lohnt eine nüchterne Zwischenbilanz: Was hat das GNDEW tatsächlich bewegt, wo hakt es weiterhin, und wie geht es weiter?

Als das Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende (GNDEW) am 27. Mai 2023 in Kraft trat, war die Erwartung hoch. Der Smart-Meter-Rollout war jahrelang hinter den Zielen zurückgeblieben, und das GNDEW sollte den Befreiungsschlag bringen: einfachere Verfahren, klare Fristen, mehr Rechtssicherheit. Drei Jahre später ist es Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme.
Was das GNDEW beim Smart-Meter-Rollout bewegt hat
Das GNDEW hat unbestreitbar Bewegung gebracht. Es hat den Rollout-Fahrplan mit verbindlichen Zwischenzielen versehen und das Smart Meter Gateway als sichere Kommunikationsplattform im Zentrum der Digitalisierung bestätigt. Verfahren wurden gestrafft, die Rolle der grundzuständigen Messstellenbetreiber geschärft und die Kostenverteilung neu geordnet. Vor allem hat das Gesetz einen klaren Rahmen geschaffen, an dem sich alle Marktbeteiligten orientieren können.
Mit dem Rollout-Start 2025 und den nachfolgenden Novellen ist die Richtung eindeutig: Der Einbau intelligenter Messsysteme ist keine Option mehr, sondern verbindlicher Fahrplan mit gestaffelten Pflichtquoten. Und diese erste Hürde wurde genommen: Zum Stichtag Ende 2025 lag die Ausstattungsquote bei den gesetzlich definierten Pflichteinbaufällen laut Bundesnetzagentur bei rund 23 Prozent und damit über dem Zielwert von 20 Prozent.
Wo der Smart-Meter-Rollout weiterhin hakt
Zugleich wäre es unehrlich, die offenen Baustellen zu übergehen. Denn die erfüllte Pflichtquote erzählt nur einen Teil der Geschichte. Über alle Messlokationen hinweg – also inklusive der freiwilligen und späteren Einbaufälle – lag die Ausstattung Ende 2025 erst bei rund 5,5 Prozent. Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland damit deutlich zurück.
Auffällig ist die Spreizung zwischen den Betreibern: Während große grundzuständige Messstellenbetreiber die Vorgaben souverän erfüllen, kämpfen viele kleinere mit teils einstelligen Einbauquoten. Die Bundesnetzagentur hat im Frühjahr 2026 bereits Aufsichtsverfahren gegen säumige Betreiber eingeleitet. Die Gründe für den Rückstand sind vielfältig:
- Gerätelogistik: Beschaffung und rechtzeitige Bereitstellung der Geräte als unterschätztes Nadelöhr.
- Fachkräftesituation: Qualifiziertes Personal für Einbau und Inbetriebnahme bleibt knapp.
- Komplexität vor Ort: Der Einbau in Mehrfamilienhäusern ist aufwändiger als im Einfamilienhaus.
- Skala: Die schiere Menge der auszustattenden Messstellen bei über 50 Millionen Messlokationen.
Auch die Bürokratie, die das GNDEW eigentlich abbauen sollte, wird von Teilen der Branche weiterhin als Hemmnis empfunden.
Wie es mit dem Rollout weitergeht
Die regulatorische Taktung bleibt hoch. Auf das GNDEW folgten weitere MsbG-Novellen, und mit der EEG-Novelle 2027 steht der nächste große Schritt bereits fest: Das Bundeskabinett hat sie am 29. Juli 2026 beschlossen. Geltendes Recht ist sie damit noch nicht – Bundestag und Bundesrat beraten ab September 2026, das Inkrafttreten ist zum 1. Januar 2027 geplant. Die Richtung aber ist klar, inklusive einer möglichen Absenkung der Einbauschwellen. Für Messstellenbetreiber bedeutet das einen dauerhaften Anpassungsdruck.
Parallel verschiebt sich der Fokus: Vom reinen Zählertausch hin zur Steuerung von Anlagen. Wie anspruchsvoll dieser Übergang im Feld ist, zeigt der Beitrag Vom Zählertausch zum Steuerungsrollout.
Die entscheidende Erkenntnis nach drei Jahren: Das GNDEW hat den Rahmen geschaffen, aber der Erfolg entscheidet sich in der operativen Umsetzung. Die Gesetze geben den Takt vor – ob der Rollout gelingt, hängt davon ab, wie effizient Messstellenbetreiber ihre Prozesse und die Einsatzplanung aufstellen. Genau dort, im Zusammenspiel aus Einsatzplanung, Gerätelogistik und Dokumentation, liegt der Hebel für die kommenden Jahre.
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