BPL, 450 MHz, 5G RedCap: Warum es (noch) keinen Standard im Steuerungsrollout gibt
Beim Übertragungsweg für Smart Meter Gateways und steuerbare Anlagen konkurrieren gleich mehrere Kommunikationstechnologien: BPL, 450 MHz, 5G RedCap, LTE und LoRaWAN. Für Messstellenbetreiber ist das mehr als eine technische Detailfrage – die Wahl des Übertragungswegs beeinflusst die Rolloutplanung direkt. Ein Überblick über die Optionen und warum ein einheitlicher Standard vorerst nicht in Sicht ist.

Wer den Steuerungsrollout plant, stößt schnell auf eine Frage, die überraschend offen ist: Über welchen Kommunikationsweg sprechen das Smart Meter Gateway und die zu steuernden Anlagen eigentlich miteinander? Anders als beim Mobilfunk, wo sich Standards weitgehend durchgesetzt haben, konkurrieren im Smart Metering derzeit mehrere Technologien nebeneinander.
Die Optionen im Überblick
- BPL (Broadband Powerline): Broadband Powerline nutzt das Stromnetz selbst als Datenkanal. Ein Vorteil dort, wo keine gute Funkabdeckung besteht – aktuell wieder verstärkt im Gespräch.
- 450 MHz: Ein eigenes Frequenzband, das von Teilen der Branche als robuste, krisensichere Lösung für die Energiewirtschaft favorisiert wird – besonders für kritische Steuerungsaufgaben.
- LTE: Der etablierte Mobilfunkweg, über den heute ein Großteil der Gateways kommuniziert. Zuverlässig, aber abhängig von der langfristigen Verfügbarkeit der Mobilfunkgenerationen.
- 5G RedCap: Die kommende Mobilfunkgeneration in einer für IoT-Geräte optimierten Variante. Kombiniert hohe Datenraten mit der Eignung für viele vernetzte Geräte – gilt als vielversprechend für künftige Gateways.
- LoRaWAN: Ein Funkstandard für geringe Datenmengen über große Reichweite, der in bestimmten Anwendungsfällen punktet.
Warum ein einheitlicher Standard vorerst unrealistisch ist
Die naheliegende Frage lautet: Warum einigt man sich nicht einfach auf einen Standard? Die ehrliche Antwort ist, dass die Netzgebiete zu unterschiedlich sind. In manchen Regionen funktioniert nur ein bestimmter Übertragungsweg zuverlässig – topografische Gegebenheiten, Funkabdeckung und bestehende Infrastruktur unterscheiden sich stark. Eine vollständige Vereinheitlichung über ganz Deutschland ist daher auf absehbare Zeit unwahrscheinlich; Insellösungen werden vorerst Teil der Realität bleiben.
Für den Steuerungsrollout hat das eine konkrete Konsequenz: Ohne pragmatische Handhabung dieser Vielfalt lässt sich das Tempo nicht so leicht steigern. Messstellenbetreiber tun gut daran, ihre Rolloutplanung so flexibel aufzustellen, dass sie mit unterschiedlichen Kommunikationswegen je nach Netzgebiet umgehen kann.
Was Messstellenbetreiber jetzt tun können
Statt auf den einen Standard zu warten, ist die tragfähigere Strategie, die eigene Prozess- und Systemlandschaft technologieoffen zu gestalten. Wer seine Einsatzplanung und Dokumentation nicht an einen einzelnen Übertragungsweg koppelt, bleibt handlungsfähig – unabhängig davon, welcher Standard sich in welchem Netzgebiet durchsetzt.
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